Lohnt sich der Sicherheitsdienst als Berufseinstieg? Meine Erfahrungen nach zwei Jahren

„Security kann doch eigentlich jeder machen.“

Wer im Sicherheitsdienst arbeitet, dürfte diesen oder ähnliche Sätze schon einmal gehört haben. Und ganz unbegründet ist dieses Bild nicht: Die Einstiegshürden in Teile der Sicherheitsbranche sind vergleichsweise niedrig. Gleichzeitig habe ich in meinen ersten zwei Jahren im Sicherheitsdienst gelernt, dass ein niedriger Einstieg noch lange nicht bedeutet, dass auch jeder für diesen Beruf geeignet ist.

Ich selbst bin 2024 in die Sicherheitsbranche eingestiegen. Seitdem habe ich unterschiedliche Einsatzbereiche kennengelernt, gute und schlechte Erfahrungen gemacht und vor allem gemerkt, wie stark sich einzelne Objekte und Tätigkeiten voneinander unterscheiden können.

Würde ich einem jungen Menschen heute empfehlen, ebenfalls im Sicherheitsdienst anzufangen?

Meine Antwort wäre weder ein klares Ja noch ein klares Nein.

Warum ich überhaupt im Sicherheitsdienst angefangen habe

Ganz unbekannt war mir die Branche vor meinem Einstieg nicht. Mein Vater arbeitete bereits seit längerer Zeit im Sicherheitsdienst, sodass ich schon vorher einen gewissen Einblick in den Beruf bekommen hatte.

Mir gefiel die Arbeit grundsätzlich und irgendwann entschied ich mich dazu, selbst diesen Weg einzuschlagen. Allerdings stand für mich von Anfang an fest, dass ich nicht dauerhaft bei einfachen Bewachungstätigkeiten bleiben wollte. Wenn ich schon in die Sicherheitsbranche gehe, wollte ich mich langfristig weiterentwickeln und Karriere darin machen.

Mein erster Arbeitgeber war gleichzeitig eines der größten Sicherheitsunternehmen in meiner Stadt. Ich kannte das Unternehmen entsprechend bereits und bewarb mich dort. Zu diesem Zeitpunkt wurde Personal für ein Objekt gesucht und so kam schließlich mein Einstieg zustande.

Die Sachkundeprüfung nach § 34a GewO hatte ich bereits vorher abgelegt.

Mein erstes Objekt war ein Logistikunternehmen. Zu unseren Aufgaben gehörten unter anderem Kontrollen ausfahrender Lkw, stichprobenartige Mitarbeiterkontrollen und die Schlüsselverwaltung.

Meine Einarbeitung dort war gut. Ich wurde vernünftig auf meine Aufgaben vorbereitet und wusste anschließend, was von mir erwartet wurde.

Später sollte ich allerdings feststellen, dass eine gute Einarbeitung im Sicherheitsdienst keineswegs selbstverständlich ist. Bei anderen Einsätzen wurde ich teilweise auf ein neues Objekt geschickt und musste mir vieles vor Ort selbst aneignen.

Ist die Einstiegshürde zu niedrig?

Meiner Meinung nach: ja.

Für viele Bewachungstätigkeiten ist in Deutschland nicht einmal die Sachkundeprüfung notwendig. Häufig genügt die 40-stündige Unterrichtung nach § 34a GewO.

Die Sachkundeprüfung wird nur für bestimmte Tätigkeiten verpflichtend vorausgesetzt, beispielsweise für Kontrollgänge im öffentlichen Verkehrsraum, Ladendetektive, Türsteher oder bestimmte leitende Funktionen.

Damit ist der formale Einstieg in Teile der Sicherheitsbranche vergleichsweise einfach.

Das bedeutet für mich allerdings nicht, dass auch jeder für den Sicherheitsdienst geeignet ist.

In meinen bisherigen Berufsjahren habe ich einige Mitarbeiter kennengelernt, bei denen bereits grundlegende Dinge zum Problem wurden.

Dazu gehört für mich an erster Stelle Zuverlässigkeit. Ich musste beispielsweise mehrfach länger auf der Arbeit bleiben, weil meine Ablösung nicht pünktlich erschien. Auch Aufgaben wurden teilweise schlicht nicht ausgeführt.

Kommunikation ist ein weiterer wichtiger Punkt. Sicherheitsmitarbeiter müssen Informationen weitergeben, Anweisungen verstehen, mit Mitarbeitern, Kunden und Besuchern kommunizieren und je nach Tätigkeit auch Vorfälle dokumentieren können. Wenn das nicht funktioniert, kann es schnell zum Problem werden.

Auch das Auftreten ist entscheidend.

Jemandem, dem offensichtlich alles egal ist, möchte ich genauso wenig sicherheitsrelevante Verantwortung übertragen wie jemandem, der bei jedem Konflikt beweisen möchte, dass er der Stärkste im Raum ist.

Und dann gibt es eine Eigenschaft, über die meiner Meinung nach viel zu selten gesprochen wird: Neugier.

Wenn ich während eines Rundgangs ein ungewöhnliches Geräusch höre, ist „Ach, wird schon nichts sein“ für mich genau die falsche Einstellung.

Vielleicht ist tatsächlich nichts.

Aber meine Aufgabe besteht gerade darin, das herauszufinden.

Der schlechte Ruf kommt nicht nur von außen

Sicherheitsmitarbeiter genießen nicht überall das beste Ansehen.

Das habe ich selbst erlebt.

Teilweise werden die eigenen Aufgaben unterschätzt und man wird sinngemäß als „der Dumme vom Sicherheitsdienst“ betrachtet. Es gibt auch das Klischee, Sicherheitsmitarbeiter seien Menschen, die es beispielsweise nicht zur Polizei geschafft hätten.

Natürlich gilt das längst nicht für jeden Kunden. Ich habe ebenfalls Menschen erlebt, die froh darüber waren, dass wir vor Ort waren, uns wertgeschätzt und herzlich aufgenommen haben.

Trotzdem wäre es zu einfach, den schlechten Ruf ausschließlich auf Außenstehende zu schieben.

Denn meiner Meinung nach trägt ein Teil der Branche selbst dazu bei.

Wie Sicherheitsmitarbeiter auftreten, wie sie ihre Aufgaben erledigen und teilweise auch, wie sie sich während des Dienstes und in Uniform verhalten, beeinflusst zwangsläufig das Bild der gesamten Branche.

Wenn wir mehr Wertschätzung für unseren Beruf erwarten, müssen wir deshalb auch selbst professionell auftreten.

Ist das Gehalt gut?

Für die vergleichsweise niedrige Einstiegshürde finde ich die Bezahlung grundsätzlich ordentlich.

Als ich im September 2024 angefangen habe, folgte kurz darauf eine Lohnerhöhung und innerhalb des darauffolgenden Jahres eine weitere.

In Schleswig-Holstein liegt die unterste tarifliche Lohngruppe seit September 2025 bei 15,10 Euro brutto pro Stunde. Je nach Tätigkeit, Qualifikation und Eingruppierung ist entsprechend mehr möglich.

Allerdings sollte man beim Gehalt im Sicherheitsdienst nicht nur auf das Monatsbrutto schauen.

Bei mir hat sich beispielsweise ein monatliches Arbeitspensum von ungefähr 196 bis 220 Stunden eingependelt. Ich kenne Kollegen, die noch mehr arbeiten möchten, aber genauso Mitarbeiter, die deutlich weniger Stunden machen.

Ein relativ hohes Monatsgehalt bedeutet deshalb nicht zwangsläufig einen außergewöhnlich hohen Stundenlohn.

Man verkauft dafür unter Umständen schlicht sehr viel seiner Zeit.

12-Stunden-Dienste, Wochenenden und Feiertage

Die Arbeitszeiten sind für mich einer der größten Nachteile des Berufs.

Lange Dienste gehören je nach Einsatz dazu. Auch frühe Dienstbeginne sind keine Seltenheit.

Gerade im Winter kann das bedeuten, im Dunkeln zur Arbeit zu fahren und erst im Dunkeln wieder nach Hause zu kommen.

Dazu kommen Wochenenden und Feiertage.

Während Freunde und Familie am Wochenende frei haben, muss man selbst möglicherweise arbeiten. Hat man dafür unter der Woche frei, sind Freunde und Familie wiederum auf der Arbeit.

Je mehr Dienste man übernimmt, desto stärker kann darunter das eigene Sozialleben leiden.

Bei 12-Stunden-Schichten sehe ich persönlich sowohl Vor- als auch Nachteile.

Natürlich ist ein solcher Arbeitstag größtenteils gelaufen. Gleichzeitig gibt es je nach Objekt ruhigere Phasen, in denen beispielsweise Lesen oder Lernen möglich sein kann. Durch längere Dienste können sich außerdem andere freie Tage ergeben.

Ob einem dieses Arbeitsmodell gefällt, hängt deshalb stark von der eigenen Persönlichkeit und Lebenssituation ab.

Nicht jeder Einsatz ist spannend

Auch darüber sollte man sprechen.

Sicherheitsdienst bedeutet nicht, dass ständig etwas passiert.

Es gibt Einsätze, die sehr monoton werden können. Hat man sich eingearbeitet und sein eigenes System entwickelt, sind bestimmte Tätigkeiten kaum noch anspruchsvoll.

Ich persönlich finde es deshalb sinnvoll, wenn möglich gelegentlich andere Einsätze zu übernehmen oder das Objekt zu wechseln.

Neue Situationen sorgen nicht nur für Abwechslung. Man lernt auch andere Bereiche der Sicherheitsbranche kennen und sammelt neue Erfahrungen.

Und wie angenehm ein Dienst ist, hängt für mich nicht zuletzt von den Kollegen ab.

Mit guten Kollegen können zwölf Stunden erstaunlich schnell vergehen.

Mit schlechten Kollegen können sie sich dagegen wie Kaugummi ziehen.

Was mir der Sicherheitsdienst persönlich gebracht hat

Bei all dieser Kritik würde ich meine Entscheidung, in der Branche anzufangen, nicht bereuen.

Denn der Sicherheitsdienst hat mich persönlich weitergebracht.

Ich bin selbstbewusster geworden. Meine Kommunikation hat sich verbessert und ich habe gelernt, mit schwierigen Menschen umzugehen – auch in Situationen, in denen eine Auseinandersetzung nicht ausschließlich verbal bleibt.

Vor allem habe ich gelernt, mehr Verantwortung zu übernehmen.

Das sind Fähigkeiten, die mir nicht nur im Sicherheitsdienst helfen.

Gerade für einen jungen Menschen kann es meiner Meinung nach wertvoll sein, früh in Situationen zu kommen, in denen Zuverlässigkeit, Kommunikation und eigenständiges Handeln tatsächlich Konsequenzen haben.

Welche Karriere kann man im Sicherheitsdienst überhaupt machen?

Wer beim Begriff Sicherheitsdienst ausschließlich an jemanden denkt, der sein gesamtes Berufsleben an derselben Pforte sitzt, unterschätzt die Branche.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln und zu spezialisieren.

Dazu gehören beispielsweise die Ausbildung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit, die Geprüfte Schutz- und Sicherheitskraft oder später der Meister für Schutz und Sicherheit.

Auch zusätzliche Qualifikationen können sinnvoll sein.

Eine Waffensachkunde kann beispielsweise für bestimmte bewaffnete Tätigkeiten relevant werden. Die Ausbildereignungsprüfung nach der Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO) wiederum kann interessant sein, wenn man später selbst ausbilden beziehungsweise Wissen vermitteln möchte.

Welche Qualifikation sinnvoll ist, hängt für mich stark davon ab, wohin man überhaupt möchte.

Einfach Zertifikate zu sammeln, ohne einen Plan dahinter zu haben, halte ich für wenig sinnvoll.

Qualifikationen können Türen öffnen.

Kontakte sollte man allerdings ebenfalls nicht unterschätzen. Je mehr Menschen man innerhalb der Branche kennenlernt, desto größer wird auch die Wahrscheinlichkeit, von interessanten Stellen oder Einsatzmöglichkeiten überhaupt zu erfahren.

Also: Lohnt sich der Sicherheitsdienst als Berufseinstieg?

Ich denke schon – unter bestimmten Voraussetzungen.

Wenn heute ein 18- oder 20-Jähriger zu mir käme und sagen würde, dass er nach der Schule nicht genau weiß, was er machen möchte und deshalb über den Sicherheitsdienst nachdenkt, würde ich ihm weder pauschal davon abraten noch sofort dazu raten.

Ich würde ihm zunächst erzählen, was ihn tatsächlich erwartet.

Die Einstiegshürde ist relativ niedrig. Die Bezahlung kann für den Einstieg ordentlich sein. Man kann früh Verantwortung übernehmen und Fähigkeiten entwickeln, die auch außerhalb der Branche wertvoll sind.

Gleichzeitig muss man mit langen Arbeitszeiten, Wochenend- und Feiertagsdiensten, monotonen Einsätzen, teilweise geringer Wertschätzung und sehr unterschiedlichen Kollegen, Vorgesetzten und Arbeitsbedingungen umgehen können.

Deshalb würde ich vor allem eines empfehlen:

Hab einen Plan.

Wenn du im Sicherheitsdienst bleiben möchtest, dann überlege dir, wohin du dich entwickeln willst. Sammle Erfahrung, bilde dich weiter, knüpfe Kontakte und versuche nicht, zehn Jahre lang auf derselben Stelle stehenzubleiben, wenn du eigentlich mehr erreichen möchtest.

Und wenn Security gar nicht deine langfristige Karriere werden soll?

Dann kann die Branche meiner Meinung nach trotzdem als Übergang funktionieren. Man kann arbeiten, Geld verdienen und die Zeit gleichzeitig nutzen, um sich weiterzubilden oder den nächsten beruflichen Schritt vorzubereiten.

Der Sicherheitsdienst kann ein guter Einstieg sein.

Aber der Einstieg sollte nicht automatisch zur Endstation werden.

Von Jannick

Ich bin Jannick und teile auf JS Journals meine Erfahrungen, Gedanken und Perspektiven zu Themen, die mich beschäftigen – von Beruf und Karriere über Technik und Reisen bis hin zu Business und Alltag.

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